Eines vorweg: Ich bin nie sexuell belästigt worden. Auch nicht in der Kirche. Der Geistliche, der mich konfirmiert hat, hieß Pastor Hand. Und den Namen hatte er auch verdient. Aber schwul war der nicht. Diesen norddeutschen Vorstadt-Theologen trieb die Frage um, ob sich unter seinen Konfirmandinnen womöglich eine Jungfrau Maria befand.
Eine unserer Konfirmandinnen hatte ich immer unter Verdacht, dass sie sich vom Pastor schon mal die Hand auflegen ließ, wenn die beiden sich allein in der Kapelle aufhielten. Obwohl – streng genommen kann gar nicht sein, die hieß nämlich nicht Maria sondern Eva. Und Eva war bekanntlich keine Christin. Sie trug oft so blumige und gar nicht fromme Minikleidchen. Heilig’s Blechle, waren die kurz! So kurz, dass es dem Herrn Pastor schwer gefallen sein dürfte, dieses kesse Lolita-Schäfchen in nur einem Stündchen zu bekehren.
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Kürzlich war mein Lieblingsliterat, Harry R. aus HH, mal wieder in meinem Pastorat an der schleswig-holsteinischen Nordseeküste. Und wenn Harry auftritt, predigt er auch ganz gerne. Die Show fing schon mal gut an in der überfüllten Niebüller Stadthalle: “Svenni, mach mal mehr Licht, damit ich sehe, wen ich beschimpfen kann”, posaunte der bärtige Prophet von der Bühne, als sei er der Schöpfer aus dem Alten Testament. Ein geschickter Schachzug: Das Publikum war erstmal eingeschüchtert und entsprechend applaudierfreudig.
Wenn er leiser sprach, hat er so genuschelt, dass man dachte, oha, der Harry ist wieder mal knülle. Aber den Irrtum klärte er schnell selber auf: “Ich war beim Zahnarzt. Mit der Brücke im Mund fühl ich mich wie bei fremden Leuten.”Früher hat Harry sich immer auf der Bühne besoffen. Aber jetzt darf er nicht mehr, und das nicht nur wegen seines Übergewichts. Seine Leber ist wohl mit ihren Aufgaben zu sehr gewachsen, wie Hirschhausen, der kalauernde Mediziner, sagen würde.”Mein Arzt sagt, dass ich mir nur viemal im Jahr die Kante geben darf, wenn ich weiterleben möchte. Jetzt hab ich Angst, die Termine zu verpassen.
Standing Ovations. So was mögen die Leute, wenn sich einer von nichts und niemand einschüchtern lässt, und sei’s der liebe Gott persönlich.